Wer den Raucher …
15. 10. 07 Mo
Wer den Raucher …
Die schöne Oktobersonne hält die leidigen Probleme auf Distanz und läßt keine trüben Wolken aufkommen. Allerhöchstens Rauchwolken, für die man selber sorgt. Das eine wie das andere löst auf seine Art Behagen aus. Daß bei dieser Verschränkung längst nicht alle zustimmen werden, weiß ich natürlich, aber für mich jedenfalls stimmt‘s jedenfalls. Allerdings sollte man noch anfügen, daß gerade dieser Aspekt heutzutage von den rigorosen Vernünftlern in der Politik geflissentlich übersehen oder bewußt ausgeblendet wird. Denn es geht immer nur um Folgekosten und scheinbar ursächliche Zusammenhänge, aber nie um die Atmosphäre, das Behagen und zuweilen auch die Inspiration, die von dem flüchtigen Medium des inhalierten Rauches ausgeht und die es in der Folge ermöglicht. Das gemeinsame Rauchen hat etwas entspanntes und entspannendes und man ist für die Dauer des Genusses vereint, ein wenig so als würde ein Caloumet kreisen. Ein altes Wort, schon ziemlich vergessen, mußte auch wieder darauf gestoßen werden; nun, Caloumet ist nichts anderes als die berühmte Friedenspfeife, die die Indianer als Schlußpunkt setzten, um das gemeinsam Beschlossene auf eine angenehme und verbindende Art anzunehmen. Nach unserer neuen Gesetzeslage wäre dies gar nicht mehr möglich, denn es ist nun einmal erklärtes Ziel dieses neuen realitätsfernen Rigorismus, daß in allen öffentlichen und staatlichen Räumen nicht mehr geraucht werden darf. Und sinnbildlich gesprochen zeigt es auch die wahre Gesinnung - nicht auf Frieden und Versöhnung kommt es ihnen an, sondern sie wünschen Streit und Entzweiung. Und manchmal denke ich sogar, daß das, was bei uns an Politik durchgeht, im Grunde nicht viel mehr als ein riesiges Ablenkungsmanöver ist. Der Zynismus als Leitfossil dieser Epoche legt es zumindest nahe. Und was heißt das ? Ein aktuelles Beispiel wie JBK zeigt es auf - die Heuchler geben die Moralisten. Denn was er ihr (Eva H.) vorwirft, nämlich lautstark für den hohen, weil existenzsichernden Wert der Familie einzutreten, lebt er selbst und wahrscheinlich sogar ganz bewußt, ohne es doch offen zuzugeben und eben als eine elementare Botschaft in dieser stürmischen Zeit hochzuhalten. Da kuck ich lieber Fußball, denn da geht es fürwahr reeller zu.
Ein kleiner Nachtrag noch. Wer in oder um Berlin wohnt und den die Raucher-Thematik interessiert, ist herzlich eingeladen am Samstag, den 20. 10. um 20.15 in den LI-LA Literatur-Laden in die Wilmersdorfer Str. 9 zu kommen (Berlin-Charlottenburg, Nähe U-Bhf Richard Wagner-Platz) Die Lesung hat im Grunde zwei Titel, zum einen wie es in der Zitty steht ‚Wer den Raucher nicht ehrt, ist der Tabaksteuer nicht wert‘
Oder eben etwas barocker und behäbiger - ‚Auserlesene Ergötzlichkeiten vom TABAC‘. Es erwartet Sie eine vergnügliche Revue durch mehrere Jahrhunderte, wobei konträr zum Zeitgeist die Fürsprecher des Knasters eindeutig in der Mehrzahl sein werden.
Letzte Einträge: Bücher, über die ma spricht, noch mal den Apho 1109, Apho 1109, Hypermoderne vs. Archaiker, Hypermoderne vs. Archaiker (Forts.), Rettungsschirme und Scheuklappen