aquila non captat muscam

Wer nicht hören will ....

17. 2. 08 So


Wer nicht hören will ....
muß fühlen. Und wer nicht verstehen will, soll sich nicht wundern.
Wie's ausschaut, stehen uns einige unangenehme Wahrheiten bevor. Oder anders gesagt, dieser Zeit fehlt es doch sehr an Fantasie und an guten Prognostikern. Der letzte große dieser Kategorie ist vor exakt zehn Jahren gestorben, nachdem er fast das ganze Jahrhundert mit seinen wachen Augen dh. mit stereoskopischem Blick durchlebt hatte. Seltsamerweise an eim Tag, an dem die Erde von einer ultimativen Katastrophe, also einer Megastrophe, ereilt wurde, die, wenn man der Bibel Glauben schenkt, fast alles Leben auf Erden vernichtete; bis auf ein paar Auserwählte eben, welche sich auf höhere Weisung hin systematisch (und ergeben) darauf  vorbereiteten und errettet wurden. Noah aber fand Gnade vor dem Herrn, alle anderen aber ertranken in der großen Flut; der Sintflut nämlich, die genau an diesem Tage ihren Anfang nahm, denn in der Bibel sind Monat und Tag ausdrücklich genannt: Und so heißt es da: Der Herr ließ regnen am 17. Tag des 2. Monats und regnen und regnen und regnen, insgesamt 40 Tage und Nächte lang. Mit dieser globalen Megakatastrophe endete dann das (deswegen sobenannte) Antediluvium  und die  Welt veränderte schlagartig ihr Antlitz; ganze Landstriche, ja sogar ein ganzer Kontinent, versanken für immer in den Fluten und alles, was es an frühen Hochkulturen gab, war (wie auch das stolze Atlantis, von dem bis heute ein ungemein faszinierender Mythos kündet) in einer schlimmen Nacht im wahrsten Sinne des Wortes untergegangen. Die Sintflut, dh. der über viele Wochen anhaltende starke Dauerregen ist in diesem Kontext allerdings nicht als Ursache sondern als unmittelbare  Folge zu betrachten, da höchstwahrscheinlich der Einschlag eines großen und massiven Himmelskörpers vorausging, der die Apokalypse auslöste. Nicht allein in der Bibel sondern in vielen anderen Mythen rundum den Erdball gibt es detaillierte Beschreibungen einer Flutkatastrophe infernalischen Ausmaßes. Wer sich für diese Thematik interessiert, besorge sich das legendäre Atlantis-Buch von Otto F. Muck, in dem der Versuch unternommen wird, der Hergang dieser Megastrophe minuziös nachzuzeichnen. Für unsere kritischen (aber eher farblosen und langweiligen) Rationalisten ist Atlantis nicht viel mehr als eine Sage oder eine Metapher (vom idealen Staat oder so), weil es ja praktisch nichts konkretes, keine Hinterlassenschaften und auch sonst keine anerkannten Funde gibt, die dieses antediluvische mächtige Reich  zweifelsfrei belegen würden. Wenn nun aber im Antediluvium, dem Zeitalter vor der großen Flut, der Meeresspiegel 60 oder gar 70 Meter niedriger war  als heute (was kein Geowissenschaftler bestreiten wird) und die damaligen Hochkulturen sich überwiegend am Küstensaum gesiedelt hatten, dürfte es wohl kaum verwundern, daß keine Relikte bislang aufgefunden wurden, denn diese liegen seitdem auf dem Meeresgrund. Und die Unterwasserarchäologie, die Licht ins Dunkel bringen könnte, ist noch eine sehr junge Disziplin, die allerdings schon fulminante Entdeckungen gemacht und erstaunliche Funde nach oben gebracht hat. Es wurde auch schon von uralten Städten berichtet, die fernab der indischen Küstenlinie im Meer aufgespürt wurden. Sehr wahrscheinlich, daß es zu neuen sensationellen Entdeckungen kommen wird, die unseren Blick auf die Vorgeschichte nicht bloß erheblich erweitern, sondern auch in einigen wesentlichen Punkten radikal verändern werden. Was dann nicht ohne gravierende Folgen für unser allgemeines (von Naturwissenschaft und Technik geprägtes) Weltbild bleiben dürfte. Ganz sicher werden aber die zukünftigen sozialen und ökologischen Katastrophen, durch eine falsche Politik, durch Hybris, Raubbau und eine maßlose Profitgier mutwillig heraufbeschworen und wohl nicht mehr aufzuhalten, ihre Wirkung auf das mentale Selbstverständnis vor allem des (europäischen) Menschen tun und ihn in zentralen Punkten zu eim radikalen Umdenken zwingen. Was uns da in diesem Jahrhundert noch alles bevorsteht bzw. dräut, scheint bis dato nur wenigen bewußt zu sein, doch immer mehr beginnen nun langsam etwas  zu ahnen, denn man ist sich seiner Zukunft (wie auch der seiner Kinder und seines Landes) nicht mehr gewiß. Die Welt ähnelt immer mehr einer großen Zentrifuge, in der alle Substanz und alle Bindungen aufgelöst und verdampft werden. Um in diesem milchigem Zukunftsnebel Konturen auszumachen, bedarf es der Seher und der Prognostiker von historischem Weitblick, psychologischem Einblick, mythologischem Tiefblick und philosophischem, ja metaphysischem Überblick. Durchweck Qualitäten also, die nur sehr wenigen gegeben sind und unseren Führungskräften aus Politik und Gesellschaft seit Jahrzehnten schon in eklatanter Weise  abgehen. Einer, der das ausgedehnte Feld der Zeit- und Zukunftsdeutung beackerte wie wenig  andere, war, um es nun endlich zu sagen, der Jahrhundert-Autor Ernst Jünger, dessen Todestag sich heute zum zehnten Male jährt. Leider mochten Zeitgeist und Gesellschaft (bis auf wenige Ausnahmen) vom reichhaltigen Angebot dieses Autors keinen Gebrauch machen; man hat ihn stattdessen als umstritten gebrandmarkt und Thematik und Betrachtungsweise seiner Bücher und Essays als antiprogressiv und rückwärtsgewandt verhöhnt, um sich nicht mit ihm auseinandersetzen zu müssen. Wie anders dagegen geht es mir; muß nämlich bekennen, daß ich Ernst Jünger nicht bloß wichtige Impulse für mein Leben verdanke, sondern mich ihm auch durch ein besonderes Datum verbunden fühle. Das sei nun einmal gesagt. Zum Schluß noch ein Jünger-Zitat, das mir gut geeignet erscheint, ein nicht ganz unwahrscheinliches Szenario der Zukunft in wenigen Strichen aufzuzeigen.
 
Die grauenvollste Aussicht ist die Herrschaft der Technokratie -
einer kontrollierenden Herrschaft,
die durch verstümmelte und verstümmelnde Geister
ausgeübt wird.  
 
Kleiner Nachtrag: Demnächst wieder eine Jünger-Lesung im LI-LA Literatur-Laden; und zwar aus dem Buch 'Annäherungen'.

17.2.08 19:15

Letzte Einträge: Bücher, über die ma spricht, noch mal den Apho 1109, Apho 1109, Hypermoderne vs. Archaiker, Hypermoderne vs. Archaiker (Forts.), Rettungsschirme und Scheuklappen

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