aquila non captat muscam

Geschichten aus dem Bürgerkrieg

7. 4. 08 Mo

Wenn es in der Schule ein Fach gab, das meine Aufmerksamkeit zu erregen vermochte, so war dies (wohlgemerkt neben Kunst) vor allem wohl Geschichte. Die Vorstellung ebenso wie das Angebot, in ferne Zeiten zurückblicken zu können, zu erfahren wie die Menschen lebten und welche Schicksale ihn zuteil wurden, übten eine starke Faszination auf mich aus. Daß Geschichte langweilig sein sollte, kam mir nicht in den Sinn; dafür blieben immer zuviele Fragen, warum nun eine Entwicklung so und nicht anders verlaufen ist und ob dies nun mehr durch Zufall oder glückliche Fügung oder eben durch eine gewisse Zwangsläufigkeit oder Notwendigkeit geschehen sei usw. Auch heute und stets aufs neue in vielen Fällen gleichviel ob nun weit zurückliegend oder zeitlich nah ist die Geschichte ein reizvolles Feld heftiger und leidenschaftlicher Diskussionen und vor allem sich daran anschließender Spekulationen über Entwicklungen und Strategien und wer da mit welchen Gegnern im verborgenen über Jahrhunderte womöglich schon miteinander im Clinch liegt. Doch nicht unspannend das Thema; aber werd jetzt keine Namen nennen, denn es geht hier mehr um das grundsätzliche Faszinosum. Geschichte - das ist die Gesamtzahl der Geschichten, die sich ereignen und dann weitererzählt werden, gleichviel ob von Dauer oder nur von begrenzter Zeit im nahen Umkreis. Und ebenso kann man sagen, Geschichte ereignet sich in Geschichten, weswegen man davon ausgehen kann, daß Geschichte per se spannend ist. Und Geschichte ereignet sich immerfort, denn alles, was jetzt geschieht, ist in kurzer Zeit schon wieder Geschichte und aufs neue beginnen die Fragen, ob die Entwicklung denn nun unvermeidlich war oder ob eine Alternative mit weniger unangenehmen Folgen möglich gewesen wäre.

Ein konkretes Beispiel will ich dann doch anfügen, schließlich hat es mit der nächsten Lesung zu tun, die für Freitag abend ansteht.

Wie war das eigentlich in den noch jungen Vereinigten Staaten, als sich der Süden immer mehr vom Norden entfremdete und schließlich als geschlossener Verband aus der Union austreten wollte ? Was er dann auch tat. Der Hauptgrund dafür war wohl, daß die Südstaaten sich nicht in alles, also in alle Befugnisse, vor allem in ihre spezielle Wirtschaftsweise, durch Bundesgesetze, denen sie nicht zugestimmt hatten, hineinreden lassen wollten. Konkret wollten die reichen Plantagenbesitzer in den wenig industrialisierten Südstaaten nicht auf die Sklavenwirtschaft und ihren Latifundienbesitz verzichten… Die dachten dann wirklich, sie könnten in freier Selbstbestimmung, so wie sie einst beigetreten waren, auch wieder aus dem gemeinsamen Staatenbundaustreten. Halt, die dachten es nicht nur, sie ließen es dann drauf ankommen. Und so kam es dann zu eim der grausamsten und blutigsten Kriege des 19. Jahrhunderts, der nach schwerem Ringen mit der totalen Kapitulation der einen Seite endete...

Hier nun wie angekündigt die Einladung zur Lesung im LI-LA Literatur-Laden:

Liebe Freunde,
liebe Leser des Apho-Briefs

nachdem die letzte Lesung mehr der
philosophischen Betrachtung eines ambivalenten
Themas gewidmet war, geht es bei der nächsten Lesung
wieder sehr spannend zu. Auf dem Programm steht dann ein Autor
von großer erzählerischer Präsenz und Klarheit, der sich
vor allem der existenziellen Grenzsituationen
angenommen hat, die er
in packender Eindringlichkeit
zu schildern verstand. Ambrose Bierce, der
als junger Mann und Soldat auf Seiten der Nordstaaten
den amerikanischen Sezessionskrieg in all seiner Grausamkeit
und Unerbittlichkeit miterlebte, beschreibt in seinen
‚Geschichten aus dem Bürgerkrieg‘ ungemein
packend die Grenzbereiche der
menschlichen Existenz.
Die Momente also,
wenn das Leben ungewiß
und brüchig wird, wie es besonders
in Kriegszeiten so unvermittelt geschehen kann.
(Ein Geschichtenband von Ambrose Bierce trägt auch sinnigerweise
den Titel ‘Mitten im Leben…&lsquo Dem Autor gelingt es dabei
 auf beklemmende Weise in die Perspektive
des Betroffenen zu schlüpfen,
durchaus vergleichbar mit
Edgar Allan Poe.

Am Freitag den 11 . April  08 um 20.15 Uhr
 im LI-LA Literatur-Laden
 in Berlin-Charlottenburg -
 Wilmersdorfer Str. 9

Ambrose Bierce - ‚Geschichten aus dem Bürgerkrieg‘

Eo Scheinder liest die Geschichte
Ein Vorfall an der Owl-Creek-Brücke‘
aus dem oben genannten Band. Weiterhin
werden auch einige Außüge aus dem
‚Wörterbuch des Teufels‘ von Bierce
gelesen, einer Fundgrube zutiefst
sarkastische Definitionen
das Leben, Staat und
die Gesellschaft
Betreffend.

Sie und Ihre Freunde sind herzlich eingeladen.

Eintritt:  4 Euro,
erm. : 3 Euro.

Kartenvorbestellung:
Email:
autor@eoscheinder.de
oder Tel. 030 / 344 45 59

8.4.08 01:05

Letzte Einträge: Bücher, über die ma spricht, noch mal den Apho 1109, Apho 1109, Hypermoderne vs. Archaiker, Hypermoderne vs. Archaiker (Forts.), Rettungsschirme und Scheuklappen

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