aquila non captat muscam

im Sauseschritt

 Berlin, 3. 2. 09

Aus einer Zeit, als die Bloggs noch nicht besonders verbreitet waren, stammt der Apho-Brief, der damals von Zeit zu Zeit an interessierte und geneigte Leser verschickt wurde. Jeweils mit eim Titelthema wie ‚Gab es einst Riesen ?‘ Das Jahr 1500 - Krisenzeit und Epochenschnitt‘ oder ‚Menschen im Café‘ und immer locker eingestreut ein paar Aphos aus der laufenden Produktion. Irgendwann kam das Projekt (in dieser Form) dann zu eim Ende und ich suchte nach einer anderen Form der Präsentation von Gedanken und Ideen und was einem sonst noch durch den Kopf geht. Die Apho-Briefe wurden aber, weil sie es wert sind, zusammengetragen und in dem gleichnamigen Buch veröffentlicht. Ganz konnte und wollte ich aber von den Apho-Briefen nicht lassen; und so kam die Sache quasi durch die Hintertür wieder herein. Nicht so ausführlich und ausschweifend wie vormals, aber dafür regelmäßiger, nämlich immer dann, wenn eine neue Lesung im Laden anstand und diese bekannt gemacht werden mußte. Das war gestern mal wieder der Fall.

Liebe Leser des Apho-Briefs von Eo,

noch einigermaßen gut im Gedächtnis der Jahreswechsel, mit Silvesterraketen und Prost Neujahr und ehe man sich‘s versieht, ist ruckzuck der erste Monat von insgesamt zwölfen dahingezogen und wieder abgehakt. Wie schnell das alles geht - schon fast beängstigend, nicht wahr ? Wilhelm Busch kommt mir in den Sinn, mit den gleichermaßen treffenden wie einprägsamen Versen

Eins-zwei-drei im Sauseschritt /

läuft die Zeit, wir laufen mit.

Genauso ist es, aber solange noch der Winter im Kalender steht, stört mich das rasende Tempo der Zeit nicht wirklich, kommen wir so doch umso schneller an den Frühling heran. Dennoch will ich den Winter nicht allzu sehr schmähen; hat man sich einmal daran gewöhnt, an Schnee und Minustemperaturen und weiß auch in den eigenen vier Wänden eine gewisse Behaglichkeit zu schaffen, kann die dunkle Jahreszeit recht anheimelnd sein. Man muß eigentlich nur von dem speziellen Angebot Gebrauch machen und dies Mehr an Ruhe und Abgeschiedenheit auf seine Art wirksam werden lassen. Denn der Winter ist per se erinnerungsintensiver; es gibt so viel mehr Gelegenheiten, sich in Gedanken und Erinnerungen zu vertiefen und sich zeitweise in sie verlieren. Erinnerung ist, wie Jean Paul es einmal formuliert hat, bekanntlich das Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Und Erinnerung ist vielfältig - nicht bloß Jeadas Selbsterlebte zählt dazu, sondern alles, was einen Niederschlag im Gedächtnis gefunden, einen berührt und im Innern eine starke Emotion ausgelöst hat; wie es bei bestimmten Büchern häufig der Fall ist zB. solichen mit dem Reiz des Verbotenen, die man einst an einer gewissen Altersschwelle voller Neugierde endeckt, gierig verschlungen, ja förmlich in sich aufgesogen hat. Das starke Leseerlebnis mag lange zurückliegen und die Erinnerung daran verblaßt sein, doch ist sie damit keineswegs verloren; im Gegensatz zu manch anderen Erinnerungen, die erst durch eine auslösende Situation plötzlich nach oben gespült werden, läßt sie sich auf eine sehr einfache Weise quasi verlustfrei auffrischen, nämlich durch Wiederlesen. Nebenbei eine durchaus bewährte Methode sich an langen Winterabenden auf unterhaltsamspannende Art die Zeit zu vertreiben. Man fühlt sich in dem Buch gleich ein wenig zuhause, die Personen wirken angenehm vertraut, doch mindert dies nicht den Zauber, im Gegenteil, es verstärkt ihn vielmehr und die Lektüre ist nicht weniger spannend als ehedem. Das Obengesagte trifft sicher auf viele Bücher zu, aber auf eines ganz besonders. Daß es bei Erscheinen hohe Wellen schlug, Skandale auslöste und lange Zeit offiziell verboten war, verweist auf das Unerhörte, das sich der Autor erdreistete, nämlich so eruptiv, ja spermatisch über all die Dinge zu schreiben, die in seim Kopf eine besondere Wertigkeit und Relevanz besaßen. Und alles schön neben und auch mal wild durcheinander - die Lust und die Geilheit ebenso wie die philosophischen und literarischen Exkurse und nicht zu vergessen die tagtäglichen Kalamitäten. Und zwar so zu schreiben, wie er für sich die Dinge sah und es ihm in die Finger floß.

Von diesem Autor nun handelt die nächste Lesung.

Henry Miller – ‘Wendekreis des Krebses‘

Am Freitag, den 6. Februar 09 um 20.15 Uhr im LI-LA Literatur-Laden in der Wilmersdorfer Str. 9 in Berlin-Charlottenburg.

Eo Scheinder liest aus den ersten Kapiteln jenes Romans,der bei Erscheinen ebenso für Furore wie für Skandale sorgte und den Autor quasi über Nacht weltberühmt machte.

Lauschen Sie der unverblümten und dabei ungemein poetischen Sprache Henry Millers, die erst dann ihre ganze Intensität zu entfalten vermag, wenn sie gesprochen erklingt. Die Lesung ist bis auf wenige Originalzitate in deutscher Sprache.

http://www.eoscheinder.de/Salve Lesungen.htm

4.2.09 01:57

Letzte Einträge: Bücher, über die ma spricht, noch mal den Apho 1109, Apho 1109, Hypermoderne vs. Archaiker, Hypermoderne vs. Archaiker (Forts.), Rettungsschirme und Scheuklappen

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (cookie)


 smileys einfügen

Powered by 20six / MyBlog

Verantwortlich für die Inhalte und Daten dieses Weblogs ist der Autor.
Datenschutzerklärung / Dein kostenloses Weblog bei 20six.de / myblog.de!

Werbung: Neckermann.de / Hotels / Conrad / Reisen
/ Riester Rente / Gutscheine