aquila non captat muscam

... und nicht rumschwallen

12. 3. 09 Do

…und nicht rumschwallen.

Daß die öffentliche Sicherheit sich schleichend mehr und mehr in Unsicherheit verwandelt, erfährt heute schon jedes Kind. Schlimmer noch, die Kinder erfahren es als erste und vor allem schon gleich richtig heftig. Ein Blick in die Zeitung genügt - Attacken auf Busfahrer, Messerstechereien, Ehrenmorde. Und immer sind es ‘Jugendliche’, außer Altersangaben (wer weiß, ob die überhaupt korrekt sind) erst mal keine weitere Zuordnung. Dabei weiß man schon instinktiv, wer gemeint ist, nämlich die üblichen Verdächtigen; aber darüber wird lange ein Mantel des Schweigens gebreitet. Wenn dann ganz am Ende, in der drittletzten Zeile vielleicht ein Name gebracht wird, klingt er meist nach Murat, Mustafa, Mohammed oder so ähnlich, nur eben weniger geläufig. Eine irre Verkleisterung, die dort von sonst ernsthaften Menschen betrieben wird. Ja, man wolle mit der Angabe der Volkszugehörigkeit keine bedenklichen Gefühle, wie ‘Ausländer’feindlichkeit wecken, den Leser also vor unbedachten Gedanken und Äußerungen bewahren, alles natürlich aus gesellschaftspolitischer Verantwortung heraus  usw. Den normalen Zeitungsleser somit daran hindern bzw. davor bewahren, je nach Lesart, daß er ganz schlicht 1 und 1 zusammenzählen und unbedachte Schlüsse und unerwünschte Forderungen daraus ziehen könnte. (Was er ohnehin tut, denn die ganze geschönte Propaganda wird kaum noch von den Leuten ernstgenommen). Wie weit hat sich in unseren ach so aufgeklärten Tagen das Medium Zeitung doch von seinen Ursprüngen entfernt. Ganz zu Beginn, und in guten Reportagen ist es auch heute noch so, schrieben die Berichterstatter von eim besonderen, eim erzählenswerten Ereignis und zwar so, daß sich der Leser ein anschauliches Bild von dem, was da vorging, machen konnte. Der Leser sah mit den Augen des schreibenden Zeugen auf das Geschehen und erfuhr zudem, wie es wohl zusammenhinge und auch wie es vom Ausgang her wohl zu bewerten sei. Und genau das ist der Knackpunkt, wenn ich selbst irgendwo Zeuge werde, sehe ich auf den ersten Blick oder zumindest kurz danach, wer bzw. welche Gruppen oder Typen mit wem usw. eine Streitigkeit austragen und natürlich wie es dabei zugeht. Vielleicht erfahre ich auch noch, was der Anlaß war. Aber genau dieses Bild, das jeder Zeuge ohne große Schulung oder Menschenkenntnis wahrnimmt und das er in seim direkten Umkreis weitergeben wird, erhält der moderne Zeitungsleser nicht. Das wird ausgespart, denn da wird ein großer Bogen herumgemacht. Stattdessen produzieren die modernen, aufgeklärten und ach so progressiven Lohnschreiber sprachliche Verrenkungen ohne Ende. Überschriften können dann zB. so lauten: Jugendliche attackieren Jugendlichen. Diese Stilblüte unserer demokratischen Presse hab ich selbst ausgeschnitten. Wer sich dafür interessiert kann daraus ein ergiebiges Hobby machen, einfach mit wachem Auge die Zeitung durchlesen - man findet jeden Tag etwas und das gleich mehrfach. Wer weiß, vielleicht haben die Journalisten auch deswegen so ein schlechtes Immitsch, pardon Ansehen. Obwohl dies Faktum natürlich mehrere Gründe hat, einige davon habe ich mit eigener Anschauung erfahren. Aber der Hauptgrund dürfte wohl sein, sie machen in ihren Blättern, wenn sie ganz oben schreiben dürfen, wie neulich der oberste Bild-Chef, stets einen auf obermoralisch und geben sich bis in die letzte Faser vernünftig, alles dann noch garniert mit eim guten Schuß Überheblichkeit, die sie für Ironie halten, aber sind, wenn sie nicht in das Horn blasen, zumeist schier das Gegenteil von dem, was sie hinausposaunen, eben geborene Zyniker. Ist ja alles nicht so ganz ernst gemeint und eigentlicht ist es nur eine Auftragsarbeit. Schön. Und wenn man an der Stelle noch einmal tiefer bohrt, hört man dann irgendwann ganz nonchalant die Standardantwort eines jeden Zynikers - wenn ich es nicht tu, machst ganz gewiß ein anderer. Die Sache läuft sowieso; damit kann ich es nicht aufhalten. Und wenn das so ist, dann kann auch ich das machen und brauch darob fortan keine Skrupel zu haben. Tja, der Zyniker liegt ziemlich dicht am Opportunisten. Und die Journalisten tun mir leid. Müssen immer so viel trinken und sich ganze Nächte um die Ohren schlagen; und ganz verkatert dann den neuen Tag beginnen.

Die Nietzsche-Bosheit über den Typus des Journalisten und das Wesen der Journaille dann beim nächsten Mal; paßt natürlich dazu. Aber dieser Text, frisch geschrieben, mußte einfach raus, weil mir das Zeitunglesen immer weniger ein Bedürfnis ist, da die angelernten Verkleisterungen oft Brechreiz bereiten und die Propaganda mir langsam zu den Ohren rauskommt. Ob die irgendwann mal merken, wie bescheuert sie sind ?

Halt, nach der etwas vergrätzten Königin vom letzten Mal hier noch der passende Typo-König.

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...)   ~´ (

… ...Y

13.3.09 00:28

Letzte Einträge: Bücher, über die ma spricht, noch mal den Apho 1109, Apho 1109, Hypermoderne vs. Archaiker, Hypermoderne vs. Archaiker (Forts.), Rettungsschirme und Scheuklappen

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