aquila non captat muscam

furioses Buch

zu - fäll - ich

Bösingen,3. Nov. 09 
Serviceday, äh Dienstag

Alles schon mal dagewesen. Und da sage einer, die Geschichte wiederholt sich nicht. Und doch tut sie es - nur eben in anderen Konstellationen und mit anderen Nasen. Wie es der Zufall will, liegt da gerade eine Fotokopie mit dem Anfang des grandiosen Versepos´ 'Orlando furioso' (Der rasende Roland) auf meim Schreibtisch, das ich mal vor fast 30 Jahren gelesen hatte und dann auch auszugsweise kopiert. Ein wahrhaft furioses Buch, das dem verlöschenden Mittelalter ein grandioses Denkmal setzt. Wirklich empfehlenswert, zumindest für alle, die sich noch einen Rest romantischen Empfindens bewahrt haben. Leider nicht mehr so einfach zu bekommen, aber sicher in der ein und anderen Bibliothek noch auszuleihen. Ein opulentes Heldengedicht in tausenden von Stanzen und 46 Gesängen, das als Hintergrund einen uralten Konflikt aufzeigt (zurückverlegt in die Zeit Karls des Großen und seiner Paladine), der immer aufs neue und heute ganz besonders wieder virulent geworden ist, nämlich der elementare Gegensatz zwischen Orient und Okzident. Und ersterer war damals zu Karls Zeiten (der ein Enkel jenes legendären Karl Martell war) schon vom Islam geprägt, dh. beherrscht und von expansiver Dynamik getragen nein besser befeuert. Was soll man dazu noch sagen ? Ich kann mich nur wiederholen - alles schon mal dagewesen ! Jedenfalls lautet die erste Stanze im Ersten Gesang des Rasenden Roland so:

Die Frau’n, die Ritter, Waffen, Liebesbande,
Die Zartheit sing’ ich, von verwegnem Mut
Der Zeiten, da der Mohr von Libyens Strande
Zog übers Meer und Frankreich setzt’ in Glut,
Dem Zorne folgend und dem Jugendbrande
Des Königs Agramant, deß rasches Blut
Zu rächen schwer mit grimmigen Erbosen
Den Tod Trojans an Kaiser Karl dem Großen.

Daß mit dem ‘Mohr’ nicht bloß die heute eher schwierig korrekt zu bezeichnenden Bewohner Schwarz-Afrikas (sic !) gemeint sind, sondern auch jene, die mehr in Nordafrika zuhause sind, sollte erläuternd hinzugefügt werden. Diese nicht ganz so schwarzen ‘Mohren’ heißen in Spanien ‘los moros’ und sind hierzulande als Mauren bekannt. Hätte sich Ariost mehr auf Deutschland bezogen, wäre seine Benennung sicher anders ausgefallen. Aber zu Karls des Großen Zeiten saßen jene Nomadenvölker noch in der zentralasiatischen Steppe und hofften auf beßre Zeiten.

Als Zugabe noch zwei Sprüche, die jene saloppe Ausgangsthese zu bestätigen scheinen.

Es ist, als ob die Völker die Gefahren liebten, weil sie sich solche schaffen, wenn es keine gibt.

Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Lapidi loqueris.

Terenz

Und hier noch eine Reverenz an den vollen Mond, der so schön wieder leuchtete über der Glienicker Brücke …

…Musikspur: Estampie - Herr Walther / Crusaders

3.11.09 23:34

Letzte Einträge: Bücher, über die ma spricht, noch mal den Apho 1109, Apho 1109, Hypermoderne vs. Archaiker, Hypermoderne vs. Archaiker (Forts.), Rettungsschirme und Scheuklappen

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